Das Taschen-Syndrom / the pocket syndrome

Letztens hat es schrecklich geregnet aber ich konnte es mir einfach nicht verkneifen zu Fuß nach Hause zu gehen. Bis auf die Unterhose durchnässt musste ich zwangsweise alle Taschen von Kram befreien und stieß auf dieses eine Syndrom das vorzüglich Frauen befällt und worüber Männer häufig nur mit einem Kopfschütteln reagieren.

” Das Taschen-Syndrom”
Definition: Die Neigung einer Person in persönlichen Taschen mehr oder weniger sinnvolle Gegenstände teils über Jahre zu sammeln und zu horten.

Diagnostik: 1) Inspizierung der betroffenen Taschen oder 2) Befragung des Ehepartners

Therapie: Bisher unerforscht.

Cave: Die betroffene Person sieht keinerlei Notwendigkeit die Aufbewahrungen zu säubern oder zu sortieren und kann im Fall einer Konfrontation zu Depression und/oder Aggression, Hysterie und Sarkasmus neigen.

Na dann zeig ich euch mal meine Ausbeute:

pocketsyndrom

 

Nr.1: Das gebrauchte Busticket.
Und es war nicht das einzige. Es dürften so in etwa 20 Bustickets des letzten Jahres in meinen Taschen (incl. Geldbeutel) zu finden sein, da es scheinbar keinen Grund gab sie wieder herauszunehmen.

Nr.2: Das Front-Logo meines Fahrrads.
Ja, als es abgefallen ist, bin ich extra stehengeblieben mit dem festen Vorsatz es mit Heißkleber wieder anzubringen. Das dürfte so etwa 3 Monate her sein.

Nr. 3: Eine Eichel mit Kappe (von diesem Herbst)
Auf dem Weg zum Flohmarkt und zurück musste ich sie unbedingt aufheben. Danach verschwand sie in meiner Jackentasche bis zu besagtem Regenguss.

Nr.4: Kieselsteine
Ich habe die Angewohnheit bei schönen Ausflügen etwas kleines mitzunehmen. Aus irgendeinem Grund sind Steine relativ häufig. Diese Steine sind von unserem ersten Ausflug mit Amy unserer Vespa. Wir sind eine Stunde auf der Landstraße gefahren, in den Biergarten gegangen und wieder zurück. Superschönes Wetter (da 15.Juni), tolle Atmosphäre und ich durfte mich zwei Stunden lang an meinem Herrn und Meister festklammern ;)

Nr.5: Hustenbonbons
…von dem Tag der Hochzeit meines Bruders. Normalerweise lasse ich mir ja nicht irgendwelche Bonbons von meiner Mutter andrehen, vor Allem wenn ich vorher schon weiß, dass ich sie eh nie essen werde. Aber an diesem Tag wurde nicht diskutiert und sie wanderten wie alles andere in meine Jackentasche. Wie ausgerechnet entwickelten sich die Hustenbonbons zu Nervenbonbons für den aufgeregten Bräutigam.

Nr.6: Kontaktlinsenbehälter
Fragt mich bitte nicht wann ich das letzte Mal Kontaktlinsen getragen habe. Ich vermute zum Kinofilm “Ich – unverbesserlich 2” im Juni. Seitdem schlafen sie in meiner Tasche.

Nr.7: Kleingeld
Wer hat sie nicht ganz unten in der Tasche?

Nr.8: Eine Kastanie (von LETZTEM Herbst)
Sie hat seitdem das Tageslicht fast nicht mehr erblickt. Aber ich kann mit Recht behaupten sie als Schmeichelstein tatsächlich gebraucht zu haben. Und jedes mal wenn ich mich gefragt habe was diese tolle Form in meiner Tasche ist, dachte ich an den wunderschönen letzten Herbst und die tollen Ausflüge durch die Blätter mit dem Kater.

Nr.9: Ein Bionade-Kronkorken
Als ich im Februar mit Erschrecken feststellen musste, dass ich wohl wirklich zu Silvester meinen Personalausweis verloren habe musste ein neuer beantragt werden. Für die Wartezeit im Bürgerbüro gab’s Bionade.

Nr.10: keine Ahnung (ein Knopf ohne Löcher)
Ich vermute er lag irgendwann einmal auf der Straße und ich konnte nicht vorbeigehen.

Nr.11: Mexikanische Süßigkeiten
…von einem netten mexikanischen Kollegen. Bisher noch nicht übers Herz gebracht sie tatsächlich zu essen. Wann sonst komme ich jemals wieder an mexikanische Leckereien…

Nr.12: Ein Einkaufswagen-Schip (wie Oma immer sagte)
Der einzige Schip der jemals länger als eine Woche bei mir überlebt hat und auch in regelmäßiger Benutzung ist und dazu auch noch Öko, da aus Öko-Holz. Ich fühl mich gut dabei ( :

Nr.13: Kinokarte (April 2013)
Von einem “spontan-komm-lass-uns-ins-kino-gehen-was-kommt-keine-ahnung-abend” und grad lustig war’s.

Nr.14: Ein Knopf
Na gut, ich glaube einen Knopf habe ich immer in der Tasche, fragt mich nicht warum. Und auch nicht woher oder wofür?

 

Im Großen und Ganzen bin ich mit meinem Syndrom ganz zufrieden. Die gesammelten Werke bieten den Rückblick über ein ganzes Jahr auf einem handflächengroßen Platz. Und ich kann tatsächlich berichten, dass jeder Griff in die Jackentasche eine kleine Erinnerung an einen schönen Tag ausgelöst hat.

Fazit: Ich bleibe dabei und freue mich auf die Sammlung im nächsten Jahr.

Liebe Grüße, honey

3 thoughts on “Das Taschen-Syndrom / the pocket syndrome

  1. Vielen Dank für den tollen Held! Ich habe gerade sehr lachen müssen, weil Du das Phänomen so toll beschreibst! Ich glaube die Männer sammeln nicht so viel Sachen in Ihren Taschen, weil sie nicht mit uns Frauen mithalten können bezüglich der kleinen Geschichten zu den noch kleineren Dingen und das nach so langer Zeit! Oder ist es doch einfach das Jäger-Sammler-Dings?

    • Danke für den netten Kommentar! Ja, wahrscheinlich das Jäger-Sammler-Dings gepaart mit nicht loslassen können ;-) Obwohl ich eine Reaktion eines Freundes bekommen habe, dass Männer dieses Syndrom auch haben. Sie sammeln in Hosentaschen, müssen aber zwangsweise zum Waschen aufräumen ;-)

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *